
Was sind Genres und welche lektoriere ich?
Ein Genre ist eine Gruppe von Texten mit gemeinsamen Merkmalen und typischen Themen, Handlungsstrukturen, Erzählperspektiven oder Stilmitteln. Es ordnet Erwartungen: Wer einen Krimi liest, rechnet mit Spannung und Verbrechen, bei einem Liebesroman steht eine Beziehung im Zentrum.
Genre, Gattung, Textsorte – der Unterschied
Die Literaturwissenschaft unterscheidet drei Ebenen:
- Gattung: Epik, Lyrik, Dramatik (plus Sachtexte)
- Textsorte: Roman, Novelle, Gedicht, Drama, Biografie, Sachbuch
- Genre: Kriminalroman, Fantasy, historischer Roman, Liebesroman, Science-Fiction
Ein Kriminalroman ist also eine epische Form (Gattung), genauer ein Roman (Textsorte) im Genre Krimi.
Woran man Genres erkennt
Genres zeigen sich durch typische Merkmale: Inhalt (Verbrechen im Krimi, Liebesbeziehung im Romance), Struktur (Ermittlungsverlauf, Heldenreise), Atmosphäre (düster im Horror, heiter im Cozy Crime) und Figurenkonstellationen (Ermittler und Täter, Paardynamik). Diese Merkmale prägen die Leseerwartung und erleichtern die Zuordnung im Buchhandel.
Warum Genres wichtig sind
Für Leser:innen bieten Genres Orientierung in der Büchervielfalt, erfüllen Erwartungen und helfen beim Entdecken ähnlicher Titel.
Für Autor:innen sind sie entscheidend für Positionierung und Vermarktung, bieten einen Werkzeugkasten an Konventionen und definieren die Zielgruppe. Gerade im Selfpublishing sind klare Genreangaben wichtig für Sichtbarkeit in Shops und Suchfiltern.
Subgenres und Mischformen
Innerhalb großer Genres entstehen Subgenres, die oft Grenzen überschreiten: Cozy Crime bzw. im Deutschen Cosy Crime, Urban Fantasy, Romantasy, Historical Romance. Solche Mischformen reagieren auf Lesegewohnheiten und sprechen unterschiedliche Zielgruppen an.
Als Autorin und Lektorin arbeite ich bewusst mit ausgewählten Subgenres, in denen ich sowohl praktische Erfahrung als auch vertiefte Kenntnis ihrer erzählerischen Strukturen mitbringe.

Cosy Crime
Cosy Crime verbindet kriminalistische Spannung mit überschaubaren Schauplätzen, klarer Figurenführung und einem oft regional geprägten Setting. Das Verbrechen steht im Zentrum, doch Brutalität tritt zugunsten von Atmosphäre und Charakterzeichnung zurück.
Als Autorin einer Regionalkrimireihe kenne ich die dramaturgischen Anforderungen dieses Subgenres: Ermittlungslogik, falsche Fährten, Spannungsbögen sowie die Balance zwischen Alltagsnähe und Verbrechen. In meiner Lektoratsarbeit achte ich besonders auf Plausibilität, Figurenkonsistenz und rhythmische Spannungsführung.
Dark Romance
Dark Romance verhandelt intensive, oft ambivalente Beziehungsdynamiken. Macht, Abhängigkeit, Grenzerfahrung und moralische Grauzonen sind zentrale Elemente. Das Genre verlangt psychologische Glaubwürdigkeit und eine sorgfältige Balance zwischen emotionaler Intensität und narrativer Kohärenz.
In meiner Lektoratsarbeit lege ich besonderen Wert auf die Ausgestaltung von Machtstrukturen, Figurenmotivation und innere Logik. Explizite Szenen sind nicht Selbstzweck, sondern Teil einer dramaturgischen Entwicklung.
Erotik
Erotische Literatur ist mehr als explizite Darstellung. Sie entsteht durch Sprache, Atmosphäre und Subtext. Spannung entwickelt sich häufig vor dem körperlichen Kontakt – in Blicken, Andeutungen, inneren Konflikten.
Ich begleite Autorinnen und Autoren, die Sinnlichkeit literarisch ernst nehmen und ihre Texte sprachlich präzisieren möchten. Besonderes Augenmerk lege ich auf:
- Figurenpsychologie
- Spannungsarchitektur
- Subtext und Rhythmus
- die Ausgestaltung expliziter Szenen mit erzählerischer Funktion
Meine essayistische Auseinandersetzung mit dem Genre veröffentliche ich auf meinem Literaturblog LiterAmour.Club. Ebenso stelle ich euch dort sehr lesenswerte Bücher vor.